Ruecklagen bilden als Selbststaendiger: wie viel und wie

Finanzen & Steuern

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Als Selbstständiger oder Freiberufler tragen Sie das unternehmerische Risiko allein. Es gibt keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, kein bezahltes Urlaubsgeld und keinen Arbeitgeber, der bei schwankenden Einnahmen einspringt. Genau deshalb ist das Thema Rücklagen bilden als Selbstständiger nicht nur eine Frage der Ordnung, sondern eine Frage der wirtschaftlichen Existenz.

Kurz gesagt: Rücklagen sind Geldreserven, die Sie bewusst zur Seite legen, um Steuern, Notlagen, Investitionen und auftragsschwache Zeiten abzufedern. Die wichtigste Faustregel als Orientierung lautet: Legen Sie von jeder Einnahme sofort einen festen Anteil für die Steuer zurück und bauen Sie parallel einen Notgroschen von mehreren Monatsausgaben auf. Wie hoch diese Anteile im Einzelfall sein müssen, hängt von Ihren persönlichen Verhältnissen ab.

Was bedeutet Rücklagen bilden?

Rücklagen bilden heißt, einen Teil Ihrer Einnahmen nicht auszugeben, sondern gezielt für künftige Ausgaben oder Risiken zu reservieren. Anders als Angestellte erhalten Sie Ihr Honorar in der Regel brutto, also ohne dass vorab Steuern oder Sozialabgaben einbehalten wurden. Ein Teil des Geldes auf Ihrem Konto gehört also faktisch nicht Ihnen, sondern dem Finanzamt. Ohne konsequente Rücklagen entsteht schnell die gefährliche Illusion, mehr Geld zur Verfügung zu haben, als tatsächlich verfügbar ist.

Für die meisten Selbstständigen und Freiberufler besteht keine gesetzliche Rücklagenpflicht im engeren Sinne. Sie sind also frei in der Frage, ob und wie viel Sie zurücklegen. Wirtschaftlich betrachtet ist es jedoch keine Option, sondern eine Grundvoraussetzung für ein tragfähiges Geschäft. Wer keine Reserven hat, gerät bei der ersten Steuernachzahlung oder der ersten Auftragsflaute in ernste Schwierigkeiten.

Warum Rücklagen für Selbstständige überlebenswichtig sind

Selbstständige leben mit zwei Unsicherheiten, die Angestellte in dieser Form nicht kennen: schwankende Einnahmen und fehlende soziale Absicherung durch einen Arbeitgeber. Fällt ein Großkunde weg, verzögert sich eine Zahlung oder werden Sie längere Zeit krank, sinkt Ihr Einkommen sofort, während die privaten und betrieblichen Fixkosten weiterlaufen. Rücklagen sind der Puffer, der genau diese Lücke überbrückt.

Hinzu kommt die zeitliche Verschiebung bei den Steuern. Einkommensteuer und Umsatzsteuer werden nicht laufend abgezogen, sondern später fällig, teils über Vorauszahlungen und Nachzahlungen. Wer die dafür nötigen Beträge nicht konsequent zurücklegt, finanziert seinen Lebensstandard unbemerkt mit Geld des Finanzamts und steht bei der nächsten Abrechnung vor einem Loch.

Welche Arten von Rücklagen sinnvoll sind

Es reicht nicht, pauschal etwas zur Seite zu legen. Sinnvoll ist es, mehrere Töpfe mit klarem Zweck zu führen. So sehen Sie jederzeit, welches Geld wofür reserviert ist und was wirklich frei verfügbar bleibt.

Art der Rücklage Wofür sie dient Orientierung
Steuerrücklage Einkommensteuer sowie die vereinnahmte Umsatzsteuer, die dem Finanzamt gehört Fester Anteil jeder Einnahme, im Einzelfall zu klären
Notgroschen Private Lebenshaltung bei Krankheit, Zahlungsausfall oder Umsatzeinbruch Mehrere Monatsausgaben
Investitions- und Reparaturrücklage Neue Geräte, Software, Ersatz bei Defekten, größere Anschaffungen Nach geplantem Bedarf
Altersvorsorge Aufbau von Vermögen für die Zeit nach der Selbstständigkeit Regelmäßiger fester Betrag
Rücklage für auftragsschwache Zeiten Überbrückung von Flauten, Urlaub und saisonalen Schwankungen Nach Branche und Saisonalität

Die mit Abstand wichtigste ist die Steuerrücklage. Behandeln Sie die vereinnahmte Umsatzsteuer grundsätzlich als durchlaufenden Posten: Dieser Betrag war nie Ihr Geld, sondern gehört dem Finanzamt und sollte sofort getrennt werden. Für die Einkommensteuer legen Sie zusätzlich einen Anteil Ihres Gewinns zurück, dessen Höhe von Ihrem persönlichen Steuersatz abhängt.

Wie viel sollten Sie zurücklegen?

Feste Prozentzahlen gibt es nicht, denn Ihr Steuersatz, Ihre Kostenstruktur und Ihre Familiensituation sind individuell. Die folgenden Werte sind daher ausdrücklich nur eine Orientierung und keine verbindliche Vorgabe.

  • Steuern: Viele Selbstständige legen als grobe Orientierung rund ein Viertel bis ein Drittel des Gewinns für die Einkommensteuer zurück. Bei niedrigem Gewinn kann weniger genügen, bei hohem Gewinn kann mehr nötig sein.
  • Notgroschen: Als Ziel gelten häufig drei bis sechs Monatsausgaben, bezogen auf private und betriebliche Fixkosten. Wer stark schwankende Einnahmen hat, plant besser am oberen Rand.
  • Investitionen und Vorsorge: Ein kleiner, aber regelmäßiger Anteil jeder Einnahme sorgt dafür, dass größere Anschaffungen und die Altersvorsorge nicht ins Stocken geraten.

Ein Rechenbeispiel

Angenommen, Sie schreiben in einem Monat Rechnungen über 5.000 Euro netto. Die darauf entfallende Umsatzsteuer ziehen Sie gedanklich sofort ab, denn sie gehört dem Finanzamt. Von den 5.000 Euro Nettoeinnahme könnten Sie als Orientierung etwa 30 Prozent, also 1.500 Euro, für die Einkommensteuer zurücklegen. Weitere 10 Prozent, also 500 Euro, wandern in den Notgroschen und 10 Prozent, also noch einmal 500 Euro, in Investitionen und Altersvorsorge. Es blieben rund 2.500 Euro, die Sie tatsächlich frei entnehmen können. Diese Aufteilung ist ein Denkmodell, kein fester Schlüssel, und sollte an Ihren realen Steuersatz angepasst werden.

Wie Sie Rücklagen praktisch aufbauen

Der entscheidende Grundsatz lautet: Zahlen Sie zuerst sich selbst und das Finanzamt, dann leben Sie vom Rest. Wer erst am Monatsende zurücklegt, was übrig ist, wird feststellen, dass fast nie etwas übrig bleibt. Verankern Sie die Rücklage deshalb als automatischen ersten Schritt.

  1. Richten Sie ein separates Geschäftskonto und mindestens ein Unterkonto oder Tagesgeldkonto allein für Rücklagen ein. Getrennte Konten verhindern, dass Sie reserviertes Geld versehentlich ausgeben.
  2. Legen Sie eine feste Quote pro Rechnung fest. Überweisen Sie den Steueranteil und den Notgroschenanteil direkt bei jedem Zahlungseingang auf das Rücklagenkonto.
  3. Automatisieren Sie den Rest per Dauerauftrag, etwa für Altersvorsorge und Investitionsrücklage, damit die Beträge ohne Ihr Zutun fließen.
  4. Prüfen Sie Ihre Quoten regelmäßig, mindestens einmal im Jahr sowie nach dem Steuerbescheid, und passen Sie sie an veränderte Einnahmen und Steuersätze an.
  5. Rühren Sie die Steuerrücklage nur für Steuern an. Der Notgroschen bleibt für echte Notfälle reserviert und wird nach Nutzung wieder aufgefüllt.

Rücklagen und Rückstellungen: der Unterschied

Beide Begriffe werden oft verwechselt, meinen aber Unterschiedliches. Rücklagen sind frei gebildete Reserven für zukünftige, noch nicht genau bekannte Zwecke, etwa den Notgroschen oder eine Investition. Sie beruhen auf einer freiwilligen Entscheidung. Rückstellungen dagegen sind ein Instrument der Buchführung: Sie werden für Verbindlichkeiten gebildet, die dem Grunde nach bereits bestehen, deren Höhe oder Fälligkeit aber noch ungewiss ist, zum Beispiel für eine erwartete Steuernachzahlung oder ausstehende Rechnungen. Rückstellungen sind vor allem für bilanzierende Unternehmen relevant, während viele Freiberufler mit Einnahmenüberschussrechnung damit seltener in Berührung kommen. Für den Alltag gilt: Rücklagen sind Ihr Sparverhalten, Rückstellungen sind ein bilanzieller Fachbegriff.

Häufige Fragen

Wie viel Prozent sollte ich als Selbstständiger für Steuern zurücklegen?

Als grobe Orientierung nennen viele einen Anteil von rund einem Viertel bis einem Drittel des Gewinns für die Einkommensteuer, zuzüglich der stets getrennt zu haltenden Umsatzsteuer. Der genaue Wert hängt von Ihrem persönlichen Steuersatz ab und lässt sich am besten mit dem Finanzamt oder einem Steuerberater klären.

Auf welches Konto gehören die Rücklagen?

Am sichersten ist ein separates Konto oder Unterkonto, das ausschließlich der Rücklage dient. So vermischen Sie reserviertes Geld nicht mit dem frei verfügbaren Guthaben und behalten den Überblick über Steueranteil und Notgroschen.

Was mache ich, wenn meine Einnahmen zu niedrig für Rücklagen sind?

Beginnen Sie klein und legen Sie zumindest den Steueranteil konsequent zurück, denn dieses Geld gehört Ihnen ohnehin nicht. Selbst kleine, aber regelmäßige Beträge für den Notgroschen bauen mit der Zeit einen spürbaren Puffer auf.

Hinweis: Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen und stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Steuersätze, Beitragssätze und Grenzen können sich ändern und hängen vom Einzelfall ab. Klären Sie Ihre individuelle Situation und die genaue Höhe Ihrer Steuerrücklage mit dem Finanzamt oder einem Steuerberater.

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